Windräder auf jedem Berg und Maiswüsten für Biogas?

Unser Energiebedarf hat schon immer die Landschaft verändert – sehr deutlich zeigt das der Braunkohletagebau im Rheinland und in der Lausitz, wo ganze Dörfer umgesiedelt wurden und weitere verschwinden sollen. Im Vergleich dazu sind Windräder der deutlich geringere Eingriff. Hinzu kommt, dass durch den Klimawandel, den die Kohlekraftwerke bewirken, sich die Landschaften durch Verschiebungen der Vegetationszonen erst recht verändern würden.

Und was das Biogas betrifft: Dass der Mais in der Vergangenheit zu sehr dominiert hat, ist der Biogasbranche bewusst. Sie unternimmt daher bereits erhebliche Anstrengungen, die Vielfalt auf den Äckern zu erhöhen. Sehr erfolgreiche Versuche gibt es seit einigen Jahren mit Wildpflanzenmischungen. Deren Energieerträge sind beachtlich. Die mehrjährigen Kulturen erfordern wenig Aufwand und ihr ökologischer Wert ist enorm; die Artenvielfalt und die Attraktivität für Bienen sind hoch. So kann die Energiegewinnung vom Acker in Zukunft mit der Schaffung von Biotopen Hand in Hand gehen – erkennbar ist das auch daran, dass in jüngster Zeit die Imker immer öfter mit der Biogasbranche ins Gespräch kommen.

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Wo bleiben die versprochenen Arbeitsplätze?

Rund 370.000 Arbeitsplätze gab es im Jahr 2012 im Sektor der Erneuerbaren Energien, etwa genauso viele wie im Jahr zuvor. Ein Rückgang bei der Solarenergie wurde durch eine Zunahme bei Windkraft und Biomasse kompensiert. Die Herstellung von Solarzellen und Modulen ist zwar ein symbolträchtiger Teil der Wertschöpfung, aber eben nur ein Teil. Denn auch die asiatischen Fabriken fertigen zumeist auf deutschen Maschinen. Auch die Systemtechnik, wie etwa die Wechselrichter, kommt oft aus Deutschland. Zudem profitiert das Handwerk erheblich von der Nutzung der Erneuerbaren Energien, sowohl im Strom- wie im Wärmesektor. So liegt beispielsweise der Anteil der Produktion von Anlage und Komponenten einer Hausdach-Photovoltaikanlage an der kommunalen Wertschöpfung in 20 Jahren Betriebszeit bei rund 16 Prozent.

Die bundesweite Wertschöpfung der erneuerbaren Stromerzeugung belief sich 2011 bereits auf 10,5 Milliarden Euro. Forschung und Entwicklung der Erneuerbaren-Branche sind in Deutschland ebenfalls nach wie vor gut aufgestellt. Das wird aber nur so bleiben, wenn Deutschland auch in Zukunft ein attraktiver Absatzmarkt bleibt. Im Sektor der Bioenergie sind deutsche Firmen ohnehin stark vertreten, weil hier jede einzelne Anlage individuell projektiert werden muss. Hinzu kommt die Rohstoffgewinnung, die im Inland erhebliches Arbeitsplatzpotenzial bietet.

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Ist die Photovoltaik nicht viel zu teuer?

Das war einmal. Die Photovoltaik ist heute neben der Windkraft an Land die billigste Art, Strom aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen. Allein seit 2006 sind die Preise der Anlagen um zwei Drittel gefallen. Private Stromtarife sind inzwischen fast doppelt so hoch wie die Kosten für selbst erzeugten Solarstrom vom eigenen Dach. Bei Erzeugungskosten und einer EEG-Vergütung für Solarstrom in Höhe von nur noch rund 15 Cent je Kilowattstunde und angesichts steigender Strompreise ist es zunehmend attraktiv, möglichst viel Solarstrom selbst zu verbrauchen.

Dieser Preisrückgang ist Folge der Marktexpansion, für die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesorgt hat. Denn nur indem durch kostendeckende und stetig abschmelzende Einspeisevergütungen große Fertigungskapazitäten aufgebaut werden konnten, wurde dieser Erfolg möglich. Er basiert auf erheblichen technischen Fortschritten. So wurden die Solarmodule zum Beispiel immer dünner und damit materialsparender. Aktuell kostet das fertig installierte Kilowatt inklusive Wechselrichter bei kleinen Dachanlagen nur noch rund 1.700 Euro – vor 20 Jahren lag der Preis noch über 11.000 Euro.

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Reichen die Erneuerbaren Energien überhaupt für eine Vollversorgung oder brauchen wir Stromimporte?

Natürlich reichen sie, das zeigen viele Studien. So hat zum Beispiel der Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) unter dem Titel „Energiekonzept 2050“ nachgewiesen, dass „bei anhaltender Innovationsdynamik schon 2050 in Deutschland ein Energiesystem realisiert werden kann, das zu 100 Prozent auf Erneuerbaren Energien basiert.“ Damit ergibt sich eine großartige Chance für deutsche Forscher und Hersteller, auf diesem Markt eine weltweit führende Position einzunehmen.

Selbst das Abschalten von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke nach Fukushima hat Deutschland nicht zum Importland gemacht. Ganz im Gegenteil: Im Jahr 2012 erreichte der Exportüberschuss sogar 23 Milliarden Kilowattstunden – das war der höchste Wert in der deutschen Stromgeschichte und entspricht der Erzeugung von zwei großen Atomkraftwerken. 2013 steigen die Zahlen nach ersten Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) weiter.

Die großen Exportmengen hängen auch damit zusammen, dass die Betreiber von Braunkohlekraftwerken ihre lukrativen Anlagen immer möglichst rund um die Uhr laufen lassen wollen. Das passt jedoch nicht mit einer hohen Einspeisung von Grünstrom zusammen. In Zukunft müssen die konventionellen Energien daher mehr Flexibilität zeigen, um im Netz Platz zu machen für die Erneuerbaren.

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Was passiert, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?

Dafür gibt es speicherbare Energien – auch unter den Erneuerbaren. Biogasanlagen zum Beispiel werden in Zukunft vor allem dann Strom erzeugen, wenn Wind und Sonne gerade schwach vertreten sind. Dieses Potenzial zum Ausgleich ist noch längst nicht ausgeschöpft. Darüber hinaus wird an vielfältigen Speichermöglichkeiten gearbeitet. Sehr attraktiv ist das so genannte Power-to-Gas-Prinzip: Mittels überschüssigem Wind- oder Solarstrom wird Wasserstoff oder im zweiten Schritt Methan erzeugt. Methan ist chemisch dem fossilen Erdgas identisch – es kann damit in riesigen Mengen im bereits bestehenden Gasnetz gespeichert werden.

Dass solche Speicher noch weiterentwickelt werden müssen, stellt jedoch keinen Grund dar, den Ausbau der Erneuerbaren Energien aktuell zu bremsen. Denn ein Bedarf an Speichern in größerem Stil besteht erst mittelfristig, wie die Untersuchung „Energiespeicher für die Energiewende” der Energietechnischen Gesellschaft im VDE im Sommer 2013 ergab. Darin heißt es, bis zu einem Anteil der Erneuerbaren Energien von 40 Prozent am Strommix würden die Speicher „nur zu einem geringen Umfang zur Einspeicherung von Erneuerbare-Energien-Strom benötigt”. Aktuell liegt der Anteil der Erneuerbaren mit etwa 25 Prozent noch deutlich unterhalb dieser Schwelle.

Kleine, dezentrale Speicher sind indes schon jetzt verfügbar: Sie entlasten die Stromnetze und Betreiber von Solarstromanlagen können damit mehr als doppelt so viel ihres selbst erzeugten Sonnenstroms vor Ort selbst verbrauchen.

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Energiespeicher – Forschung für die Energiewende
http://forschung-energiespeicher.info/

Aber die EEG-Umlage steigt – wie lange soll das noch weiter gehen?

Würden Stromversorger den Preisvorteil an ihre Kunden weitergeben, den sie durch gesunkene Börsenstrompreise erzielen, könnte damit der Anstieg der EEG-Umlage von 2013 auf 2014 kompensiert werden. Denn Erneuerbare Energien senken nachweislich den Strompreis an der Börse. Grundlaststrom ist im Sommer 2013 am Markt für 36 bis 37 Euro je Megawattstunde zu bekommen – zwei Jahre zuvor waren es noch rund 60 Euro. Leider geben die wenigsten Stromversorger diese Ersparnis an ihre Haushaltskunden weiter.

Die EEG-Umlage könnte sofort sinken, würden die Umweltschäden von Strom aus fossilen Energien in ihren Strompreis einfließen. Stattdessen treibt der Preisverfall im Emissionshandel die EEG-Umlage in die Höhe. Müssten die Betreiber von Kohlekraftwerken für ihre Abgase nicht nur – wie im August 2013 – 4 Euro je Tonne CO2 bezahlen, sondern wie ursprünglich erwartet rund 25 Euro, dann wäre die Preisdifferenz zwischen Kohlestrom einerseits und Elektrizität aus Wind und Sonne andererseits geringer. Und damit auch die EEG-Umlage, die diese Differenz abdeckt. Eine Verknappung der Emissionszertifikate könnte also die EEG-Umlage bei weiterhin zügigem Ausbau der Erneuerbaren senken.

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Vertreiben hohe Strompreise inzwischen die Industrie aus Deutschland?

Nein, denn die Unternehmen, die ihren Strom im Großhandel einkaufen, profitieren von den stark gefallenen Börsenstrompreisen. So verkündete zum Beispiel der Alukonzern Norsk Hydro im Herbst 2012, er werde seine Produktion im Werk in Neuss wegen der gesunkenen Strompreise erhöhen. Vielen Unternehmen kommt zu Gute, dass sie durch die Erneuerbaren Energien am Strommarkt von den niedrigen Börsenstrompreisen profitieren, die sich schlicht nach Marktgesetzen aus dem großen Angebot des Stroms aus Erneuerbaren ergeben.

Gleichzeitig werden viele Industriebetriebe von den Kosten der Energiewende mitunter fast vollständig entlastet (zum Beispiel durch die weitgehenden Befreiungen von der EEG-Umlage). Für Industriebetriebe sind die Erneuerbaren Energien häufig sehr attraktiv. Sie erhalten aus der Branche der Erneuerbaren Energien Aufträge – etwa die Stahlindustrie aus der Windbranche, aber auch Maschinenbauer, Elektrotechnik, die Chemie- und Baubranche und das Handwerk.

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